04 Nov Aktuelle Kritik: Wellness und andere Missgeschicke

Trottoir online Mai 2013
Aktuelle Kritik – Theater KuckAn
Auch Harmonie kann Gegenstand des Gelächters sein – von Verena Joos

Wellness und andere Missgeschicke“ heißt die neueste Produktion des Theater KuckAn mit Sitz in Niedenstein, die im Kasseler Kulturhaus Dock 4 eine überschwänglich bejubelte Premiere feierte. 50 Prozent des Theaters bestehen aus Paul (alias Michael Fickinger), Markenzeichen: rote Melone und zwei Hände, die auf unterschiedlich rollenkompatible Weise

unterschiedliche Gegenstände durch die Luft wirbeln. Die restlichen 50 Prozent steuert Anneliese (alias Susanne Götze) bei, Markenzeichen: Paradekissenfrisur Brummkreiselkleid, sonniges Gemüt und ein machtvoller Drang zur Weiterbildung.

Paul und Anneliese sind ein Herz und eine Seele, und einen erklecklichen Anteil ihrer Pointen schürfen sie – für ein Duo durchaus ungewöhnlich – aus dem Goldschatz ihrer harmonierenden Zweierbeziehung.

Hinreißend etwa die Vergegenwärtigung des Heiratsantrags, den Paul seiner Angebeteten vor 20 Jahren machte; zu erklären, warum dies im Schottenrock und mit Dudelsackbegleitung vonstatten ging, würde den Rahmen der Rezension sprengen. Ebenso apart die Dia-Reportage über das Wellness-Wochenende der etwas anderen Art – wer sich danach nicht scheiden lässt, ist fürs Leben aneinander geschmiedet. Und kann anscheinend auch noch ganz „andere Missgeschicke“ verkraften, sei es Pauls Chilischokoladen-Allergie und ihre halsbrecherischen Folgen, sei es Annelieses angestrebte Filmemacherinnen-Karriere, die ohne Hilfe aus dem Zuschauerraum nicht zum Walk of Fame führen würde, und vieles andere mehr.

All das ist so fantasievoll erfunden, so schön erzählt, so frech pointiert und mit so meisterhaften Rollenjonglagen gespickt, dass es eine Freude ist.

 

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